Der Kanalnetzbetreiber

Rückstausicherung

Warum Rückstausicherung?

Rückstau entsteht im öffentlichen Kanalnetz wenn mehr Wasser in den Kanal geleitet wird, als abfließen kann. Da das private Entwässerungsnetz im Freigefälle an die öffentliche Kanalisation angeschlossen ist, kann das Wasser aus dem Hauptkanal in die Hausanschlussleitung zurückstauen. Nimmt der Rückstau zu, kann Abwasser in die Kellerräume der Anwohner gelangen, die unterhalb der Rückstauebene liegen. Verhindert werden kann dieser Vorgang, indem eine Rückstausicherung in Form von Bauteilen mit Verschlussklappen oder von Abwasserhebeanlagen installiert wird. Solche Anlagen unterbrechen den Rückstau.

Neubau / Altbau was ist zu beachten?

Bei Neubauten ist der Einbau einer Rückstausicherung gut zu planen und während der Bauphase sehr einfach umzusetzen. Der Einsatz sollte unbedingt von jedem Architekten berücksichtigt werden. Bei Bestandsgebäuden hingegen sind sehr viele Randbedingungen wie z.B. die Entwässerungsart des öffentlichen Kanalnetzes, Leitungsverläufe, Nutzungsarten von Räumen und der Zustand der privaten Entwässerungsleitungen zu berücksichtigen. Hier kann es sehr aufwendig werden eine Rückstausicherung nachträglich einzubauen.

Als Rückstausicherung werden Rückstauverschlüsse und Hebeanlagen unterschieden.

Rückstauverschlüsse

Rückstauverschlüsse werden nach DIN 13564-1 in sechs verschiedene Klassen eingeteilt:

Typ 0: ist nur bei Regenwasserabflüssen einzusetzen. Meist als Absicherung für Zisternen, da nur eine Klappe verbaut ist.

Typ 1: ist ebenfalls nur für Regenwasserabflüsse geeignet, es sind aber zwei Klappen verbaut. Eine Klappe schließt selbststätig, die andere Klappe kann händisch als Notverschluss ausgelöst werden.

Typ 2: ist für Regenwasser und fäkalienfreies Wasser, z.B. aus einer Dusche, geeignet. Hier schließen zwei Klappen selbstständig, eine weitere ist als Notverschluss vorgesehen.

Typ 3: ist zusätzlich auch für fäkalienhaltiges Abwasser einsetzbar. Hier schließt die Klappe über Fremdenergie angetrieben selbstständig.

Typ 4: ist für Bodenabläufe und mit einem selbstständigen und einem Notverschluss ausgestattet. Rückstauverschlüsse dieses Typs sind in Deutschland nicht zugelassen.

Typ 5: ist für Bodenabläufe und mit zwei selbstständigen und einem Notverschluss versehen.

Rückstauverschlüsse müssen monatlich durch den Betreiber, also durch den Hausbesitzer, inspiziert und der Notverschluss ausgelöst werden. Natürlich muss der Notverschluss nach dem Funktionstest wieder geöffnet werden.

Zweimal im Jahr ist eine Wartung durch einen Fachbetrieb notwendig. Diese Wartungen sollten durchgeführt werden, um im Schadensfall der Versicherung nachweisen zu können, dass die Verschlüsse dauernd überprüft wurden.

Da Rückstauverschlüsse selbstständig „nur“ den Fließquerschnitt der Abwasserleitung verschließen, kann aus Richtung Gebäude kein Abwasser abfließen. Dies ist bei der Planung zu berücksichtigen.

Hebeanlagen

Eine Hebeanlage ist eine Pumpe kombiniert mit einem Sammelbehälter, in dem das Abwasser aufgefangen wird. Die Pumpe beginnt bei einem bestimmten Wasserstand zu fördern. Gepumpt wird über eine Schleife, die oberhalb der Rückstauebene liegt. Diese Schleife unterbricht das Prinzip der kommunizierenden Röhren. Somit ist auch eine Benutzung der sanitären Anlagen während eines Rückstauereignisses möglich, da das Abwasser in das rückstauende Wasser der öffentlichen Kanalisation gedrückt wird.

Lassen Sie sich beraten

Lassen Sie sich unbedingt von Fachunternehmen, Herstellern, Architektur- oder Ingenieurbüros beraten, da beim Einsatz des falschen Produktes kein Schutz vor Rückstau besteht, Schäden teilweise noch vergrößert werden können und in der Regel bei einem Schaden kein Versicherungsschutz greift.

Ein kostenloses E-Book zum Thema Rückstausicherung hat ein Kölner Ingenieurbüro erarbeitet. Den Link finden Sie hier.