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Warum größere Rohre keinen Schutz vor Überflutung bieten

Warum größere Rohre keinen Schutz vor Überflutung bieten

Nach Starkregenereignissen, die Rückstau im öffentlichen Kanalnetz und Überflutungen auf der Oberfläche verursacht haben, werden immer wieder Stimmen laut, die Kanalisation doch einfach größer zu bauen. Auf den ersten Blick ist dies ein naheliegender Lösungsvorschlag, da größere Kanalrohre logischerweise auch mehr Wasser abtransportieren können. Ganz so einfach ist es aber dann doch nicht.

Die Anfänge – Kanalnetzplanung

Die öffentlichen Kanalnetze sind in Deutschland teilweise über 100 Jahre alt und zusammen mit den Siedlungsflächen immer weiter gewachsen. Baulücken wurden über die Jahre geschlossen und die Grundstücke teilweise auch stärker versiegelt. Die Gemüsegärten der Nachkriegshäuser sind häufig Terrassen, Stellplätzen oder Carports gewichen. Regenwasser, welches jetzt auf diese Flächen fällt, kann nicht mehr wie früher versickern, sondern muss der Regen- oder Mischwasserkanalisation zugeführt werden. Es fließt also heutzutage bei gleichen Niederschlagshöhen mehr Wasser im Kanal ab, als noch vor 30 Jahren.

Bemessung erfolgt nach Regelwerken

Der Bemessung von Kanalnetzen liegen schon immer technische Regelwerke zu Grunde, die immer wieder nach den neusten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst und überarbeitet werden. Allerdings können bestehende Kanalnetze nicht in Abhängigkeit der aktuellen Normung neu- bzw. umgebaut werden.

Entwässerungssatzung gilt

Kommen nun nach einem Starkregen Forderungen nach dem Bau von größeren Kanälen da Keller überflutet wurden, muss der Netzbetreiber häufig die Geschädigten auf seine Entwässerungssatzung und das gültige Regelwerk verweisen. Die Satzung besagt i.d.R. dass sich jeder Grundstücksbesitzer eigenverantwortlich gegen Rückstau sichern muss, das Regelwerk toleriert gewisse Wiederkehrzeiten für Überstau aus dem Kanalnetz.

Demographischer Wandel versus Klimawandel

Die Bevölkerungszahlen kleiner und mittlerer Städte sowie ländlicher Regionen werden perspektivisch abnehmen. Dies führt logischerweise auch zu geringeren Abwasserabflüssen im Kanalnetz und sorgt gerade bei mischentwässerten Siedlungsgebieten zu Problemen.

Bei geringeren Abflüssen, fehlt dem Wasser vielfach die Schleppkraft um Feststoffe vom Entstehungsort bis zur Kläranlage zu transportieren. Diese liegengebliebenen Feststoffe können dann zu Geruchsbelästigungen, erhöhten betrieblichen Kosten und zu Schäden am Kanalnetz führen. Eine Erhöhung der Schleppkraft ist nur durch Vergrößerung des Gefälles oder durch Verringerung des Rohrdurchmessers möglich. Würden nun größere Kanalrohre verbaut werden, verschlechtert sich das reguläre Abflussverhalten.

Alternativen liegen im Betrieb

Anstatt die Bagger anrollen zu lassen, sollte sich der Kanalnetzbetreiber zunächst Gedanken über einen sinnvollen Netzbetrieb machen. Gibt es die Möglichkeit über Stauraumkanäle Abflüsse aus anderen Gebieten zwischen zu speichern und gedrosselt dem Netz zu zuführen? Können neue Bypässe im Netz bei der Verteilung der Abflüsse helfen? Gibt es die Möglichkeit Engpässe im Netz zu beseitigen? Kann effektiv Fremdwasser aus dem Netz verbannt werden?

Diese Maßnahmen müssen im Einzelfall geprüft, berechnet und bewertet werden. Der Netzbetreiber kennt diese Schwachstellen und Stellschrauben in seinem Netz meist seit vielen Jahren, allerdings sind die Gestaltungsmöglichkeiten aufgrund des gegebenen Netzaufbaus begrenzt.

Größer bauen, leicht gesagt

Die Kanäle einfach größer zu bauen, ist aber auch aus verschiedenen technischen und auch aus wirtschaftlichen Gründen meist nicht möglich.

Technische Gründe sind z.B. geringer werdende Überdeckungshöhen der Kanäle bei größeren Durchmessern, da die Sohlhöhe gleich bleiben muss. Auch müssten eine Vielzahl von Verkehrsflächen aufgerissen werden, was Verkehrsbehinderungen und Belästigung von Anwohnern zur Folge hätte. Weitere Schwierigkeiten würden bei den Tiefbauarbeiten mit anderen Leitungen der Wasser-, Gas- und Stromversorgung sowie Telekommunikationsleitungen auftreten.

Die wirtschaftlichen Gründe liegen auf der Hand. Das Abwasserkanalnetz stellt ein riesiges kommunales Anlagevermögen dar. Der Neubau von größeren Kanälen würde Unsummen verschlingen. Da sich die Abwassernetzbetreiber über Entwässerungsgebühren finanzieren, bezahlt letztendlich jeder Nutzer auch den Kanalbau.

Weiterhin ist in der Diskussion warum größere Rohre keinen Schutz vor Überflutung bieten zu beachten:  Selbst größere Rohre würden nicht das Wasser aller Niederschläge ableiten können. Irgendwann gibt es ein solches Starkregenereignis, welches auch die neue Kanalisation überlastet. Es gibt keinen 100%-Schutz vor solchen Ereignissen.

Fazit – Warum größere Rohre keinen Schutz vor Überflutung bieten

Größere Rohre als Schutz vor Überflutungen infolge von Starkregen einzubauen ist aus technischer und auch aus wirtschaftlicher Sicht flächendeckend nicht sinnvoll.

Die private Vorsorge kostet einen Bruchteil von den öffentlichen Investitionen, ist schneller durchzuführen und ist meist auch effektiver, wenn die Umsetzung stimmt.