Wasser im Keller wegen Kanalbaustelle

Wasser im Keller wegen Kanalbaustelle

Wasser im Keller wegen Kanalbaustelle

Jeden Tag werden auf tausenden Baustellen an den bestehenden Kanalnetzen gearbeitet. Dies ist auch nötig um zum einen die Substanz zu erhalten und zum anderen um die hydraulische Leistungsfähigkeit zu erhöhen.  Zum Einsatz kommen offene oder geschlossene Verfahren. Offen bedeutet, dass ein Bagger eine Baugrube aushebt und offen an den Kanalrohren gearbeitet wird. Bei geschlossenen Verfahren erfolgt die Sanierung des Kanals ausschließlich über die Zugangsschächte. Wie kommt jetzt aber Wasser in den Keller wegen einer Kanalbaustelle?

Abfluss wird aufgehalten und gepumpt

Für Arbeiten am Kanalnetz muss häufig der Abwasserfluss temporär aufgehalten und an der Baustelle mittels Pumpen vorbei geleitet werden. Um das Wasser aufzuhalten werden sogenannte Blasen oder Dichtkissen verwendet. Das sind flexible Kunststoffhüllen, die mittels Druckluft gefüllt den kompletten Kanalquerschnitt verschließen.

Vollfüllung mit 400 Litern

Die Überleitungspumpen müssen für einen bestimmten Wasserandrang bemessen werden. Sie fördern in der Regel nur geringere Abflüsse, als der Hauptkanal ableiten könnte. Dies ist auch nachvollziehbar, denn ein Betonrohr DN 500 (50 cm im Durchmesser) kann bei einem Gefälle von 1% immerhin bei Vollfüllung fast 400 Liter in der Sekunde transportieren. Pumpen mit der gleichen Förderleistung aufzustellen ist für die meisten Baustellen unverhältnismäßig und in den meisten Fällen auch nicht nötig.

Wasser im Keller wegen Kanalbaustelle

Immer wieder kommt es bei Baustellen allerdings zu Situationen, in denen zu viel Wasser zur Baustelle gelangt und dieses nicht schnell genug übergepumpt werden kann. Meistens sind Regenereignisse die Ursache für solche hohen Abflüsse. Dann füllen sich die Rohre oberhalb der Baustelle mit Wasser, Rückstau entsteht. Dieser Rückstau setzt sich in die privaten Hausanschlussleitungen bis in nicht gesicherte Räume unterhalb des Straßenniveaus fort. Schon ist Wasser im Keller wegen einer Kanalbaustelle. Ergebnis sind geflutete Kellerräume, zerstörtes Inventar, kaputte Waschmaschinen und Trockner und schlimmstenfalls eine defekte Heizungsanlage.

Diese Situation kann auch schon bei geringem Niederschlag eintreten und auch, wenn vorher bei Starkregen noch nie Rückstau aufgetreten ist.

Ist die Baufirma der Verursacher?

Häufig wird die Baufirma vom Geschädigten als Verursacher gesehen und der zuständige Bauleiter kontaktiert. Dieser nimmt den Schaden in der Regel auf und meldet diesen der Betriebsversicherung. Wichtig ist außerdem selber aktiv zu werden und zunächst den Schaden zu dokumentieren und frühzeitig eine Trocknung der Bauwerkssubstanz durch Spezialfirmen durchführen zu lassen, um Folgeschäden wie Schimmelpilzbildung vorzubeugen.

Versicherung bezahlt nicht

Wenn das Wasser ausschließlich durch die Hausanschlussleitung in die Kellerräume gelangt ist, lehnt die Betriebsversicherung die Regulierung solcher Schäden meistens ab. Die Begründung ist der fehlende Rückstauschutz. Anders sieht es aus, wenn das Wasser aus der Kanalisation oberirdisch ausgetreten und dann durch Kellerfenster oder Kellertüren eingedrungen ist. Hier könnte auch die eigene Elementarschadenversicherung greifen.

Entwässerungssatzung schreibt vor

Lehnt die Versicherung die Regulierung ab, haben auch juristische Schritte meistens keinen Erfolg. Eine Rückstausicherung wird in allen Entwässerungssatzungen für Gebäudeteile, die unterhalb der definierten Rückstauebene liegen, vorgeschrieben. Fehlt diese, verstoßen die Betreiber der privaten Entwässerungsanlage gegen geltendes Ortsrecht.

Jeder kann betroffen sein

Jedes Gebäude welches an die öffentliche Kanalisation angeschlossen ist und über einen Keller verfügt, ist potentiell gefährdet. Rückstau kann nicht nur durch Kanalbaustellen hervorgerufen werden, sondern auch durch zu viel Wasser infolge von Starkregen oder durch eine simple Verstopfung im Kanal. Daher sollte der eigene Rückstauschutz und auch der Versicherungsschutz überprüft werden. Zu empfehlen ist auf jeden Fall eine externe Beratung hinzuzuziehen, da auch bei der Nachrüstung einer Rückstausicherung eine Menge zu beachten ist.